Dienstag

Chai-Chai-Chai-Jaipur


Es gibt ein Tshirt, auf dem ein klappriger Inder abgebildet ist und um seinen Körper steht 100x "Chai".
Das perfekte Indien-Shirt, denn hier laufen viele Verkäufer rum und rufen monoton und ohne Pause "Chai, Chai, Chai, Chai, Chai, Chai, Chai...". Nach ein paar Sekunden versteht man das Konzept und dann wirds nach ein paar Minuten langsam lästig ;-)

Nunja, charmante Überleitung zu Jaipur, da sind wir nämlich im Moment noch - Morgen gehts mit dem Zug nach Jodhpur und wir hoffen, dass wir auf dem Weg ein bisschen was von der Landschaft zwischen den Touristenhochburgen zu sehen bekommen :-)

Da ich alleine heute 350 Fotos geschossen habe, hier mal ein Daniel-Lisa-Best-of...

Heute war ich auch etwas forscher und hab mal kreuz und quer alles fotografiert, was ich gesehen habe - und das ohne vorher zu fragen, ich werd nämlich auch nicht gefragt - also ist das Teil des deals ab jetzt ;-)
Also gibts bald mal einen Blogeintrag mit dem alltäglichen Gesicht Indiens - Schneider, Verkäufer, Street Food, Bauarbeiter etc. etc.



So, wir trinken jetzt noch ein Bier mit Kjersti und Evelyn, unseren Nachbarinnen aus Pondicherry, mit denen wir ab jetzt durch Rajasthan reisen.

Nameste!

Mumbai!


Wir sind schon in Jaipur angekommen, deshalb hier ein verspäteter Post mit schlechtem Gewissen ;-)

Tja, Mumbai. Ich hatte die schlimmsten Erwartungen an eine indische Mega-City - es war erstaunlich schön! Die Kolonialzeit hat man bis jetzt nirgendwo so stark gemerkt, wie in Mumbai. Zum Teil hätte man in London oder Paris sein können: wunderschöne alte Gebäude, stylische alte Autos und andere europäische Einflüsse. Hier ein paar Bilder, weil ich grad etwas schreibfaul bin und wir dank dem Home exam und Krankheit kein straffes Touriprogramm fahren konnten...

Am ersten Tag gings natürlich zum India Gate und dem Taj Mahal Palace - dem Schauplatz der Anschläge in 2008.

und noch eins ;-)



ein obligatorisches Sprungfoto

Heute gelten hier strenge Sicherheitsmaßnahmen - gelten übrigens nicht für Weiße, wir genießen diese positive Diskrimminierung... ;-)

Taj Mahal Palace Hotel - vor drei Jahren brannten hier Betten...

 Am Samstag haben wir dann einen Ausflug zur Elefanta Island gemacht, um den Shiva Tempel zu besichtigen.


Taj Mahal Palace Hotel + Tower und India Gate

 Hier zwei Bilder als kleiner Eindruck von den in den Stein geschlagenen Höhlentempel


Shiva im Hintergrund

Da wir öfters die Luft anhalten mussten, wenn wir an dem Fischmarkt vorbeigegangen sind, sind wir kurzerhand mal reingegangen - sehr zu Daniels Freude ;-)

"Frischer" Fisch
 Ich durfte erst ein Foto von den Fischen machen, nachdem die Verkäuferin alle Fliegen vertrieben hat - vielen Dank für die Unterstützung ;-)
In der zweiten Halle waren Geflügelhändler und uns wurden ganz stolz ihre Kampfhähne und -hühner gezeigt.

Ob ich sie mal streicheln will? - Ähm, nein...
 Na, Innereien sind doch immer was Feines...



Könnte so oder so ähnlich in London, Paris oder Rom stehen.


Und das ist der wohl schönste Bahnhof der Welt - xxl und hat leider nicht ganz auf ein Bild gepasst, deshalb nur den Eingangsbereich, den man nicht mehr betreten darf...



Arbeiten mussten wir natürlich auch was - hier der Beweis ;-)



Wir haben es uns aber nicht nehmen lassen einen halben Tag im Prince of Wales Museum zu verbringen und mehr über die indische Kultur zu lernen: Skulpturen, Bilder und ausgestopfte Tiere...

und wieder Shiva

indische Expressionismus-Mischformen
Und es kann sein, dass ich nichts von Kunst verstehe, aber was ist der Haufen links im Bild und warum steht der Mann da, als müsste er erneut auf die Toilette? Nunja, der Mann trägt übrigens die traditionelle Beinbekleidung für Männer - den Dhoti. Ansonsten fällt das Bild eher in die Kategorie "Ist das Kunst oder kann das weg?"


Vorurteil "In ganz Indien stinkt es nach Blut, Eiter und Urin"


Als ich diesen Kommentar in Facebook zu einer Statusmeldung eines Freundes aus Indien gelesen habe, hätte ich gerne einen gesalzenen Kommentar darunter geschrieben... Was für ein Unsinn, da muss ich schon fast wieder lachen. Da ich das Mädl, das selber noch nie in Indien war, allerdings nicht gekannt habe, setze ich meinen inneren Aufschrei hier fort und analysiere den Satz Abschnitt für Abschnitt.

1. Ganz Indien
Indien ist verdammt groß. Es ist so, als würde man sagen, dass ganz Europa nach Pommes riecht, nur weil in Brüssel vor dem Parlament ein super Frittenstand ist.
Außerdem bleibt die Frage, ob bei der Definition von Indien Jammu und Kashmir mit eingeschlossen wird. Die regionale Aufteilung des Gebietes zwischen Indien und Pakistan ist nämlich durchaus noch nicht geklärt...

2. überall
siehe 1., keine weiteren Worte nötig...

3. Blut, Eiter und Urin
Ja Herrschaft, da musste ich direkt lachen. Also ich bestreite gar nicht, dass es in Indien stinkt, man gewöhnt sich halt nur erschreckend schnell daran. Dann hat man den Tag über im Prinzip einen relativ neutralen Geruch, bis hier und da mal ein ganz neues Gschmackerl an einem vorbei zieht. Und ich gebe zu – in 90% der Fälle ist dieser extra Gestank on top Urin – ok, ok, da lass ich noch mit mir reden, aber Blut und Eiter hab ich in den drei Monaten unterschiedlichster Orte in Indien NIE, nie nie nie gerochen.
Vereinzelt sieht man Bettler mit heftigen Wunden, die mit ekelhaften Verbänden umwickelt sind, aber es ist ja nicht so, als würde man näher rangehen, um nochmal dran riechen zu können.
Einfach königlich...

Schon lustig was für Vorurteile kursieren und wie ich schon eine Lanze für Indien breche, obwohl ich mich keinesfalls bedingungslos in dieses Land verliebt habe – an manchen Tagen mag ich es sehr, evtl. ist es dann auch Liebe, an anderen hasse ich es dafür sogar aus vollem Herzen.

Sollten euch noch Vorurteile einfallen, die euch unter den Nägeln brennen, könnt ihr mir die schreiben oder als Kommentar posten. Ich werde mir dann mal Gedanken machen, ob ich sie bestätigen kann, oder nicht.

Mein indischer Passierschein A38...


Morgen fliegen wir spontan nach Mumbai. Eigentlich wollten wir noch nach Hampi fahren und durch die Steinruinen schlendern, aber wir konnten keine Zugtickets online buchen und angeblich waren sie ausgebucht. Naja, dann gibts woanders noch Steinhaufen zu begutachten, uns ziehts dann halt früher nach Mumbai!
Manche haben vielleicht schon Daniels Foto zu unserer Reisebibliothek gesehen. Das ist nur ein leichter Vorgeschmack auf die Gewichtsprobleme, die wir bei einem Flug bekommen hätten. Meine Liebe zu Ledertaschen aus Wasserbüffelleder hat auch noch dazu beigetragen, dass wir ca. 13 Kilo heimschicken mussten.
Wir haben kurz zwischen DHL und der indischen Post hin- und herüberlegt und abgewägt... Lonely Planet hat gesagt, dass Pakete ziemlich zuverlässig ankommen, also sollte das Paket verschollen gehen, sollte es wenigstens nicht zu teuer gewesen sein. Da DHL ca. 200 Euro und die indische Post 50 Euro kostet, war dann die Entscheidung klar - Risikooo

Also gings für mich heute mit dem Rucksack voller Sachen zum Postoffice.
Aber noch nicht so schnell... Wir dürfen uns ja den Fahrer von Christina ausleihen - zumindest theoretisch, würde er auftauchen... Gegen 9h wars ausgemacht, um 10h war ich fertig und um 11h ist er aufgetaucht - nachdem wir ihn angerufen haben und noch eine halbe Stunde gewartet haben. Nunja, Standpauke von Daniel bekommen, danach war er ausgesprochen freundlich zu mir (Ich: guter Cop).


Im Lonely Planet hab ich gelesen, dass man nicht so ohne weiteres in ein Post office spaziere kann und erwarten kann, dass man alles dort bekommt, deshalb wollte ich davor noch zum Supermarkt. Wusste der neue Fahrer nicht, wo er einen findet und ich hab schon das größte Chaos vorhergesehen. Das war der Punkt, an dem ich vom guten zum bösen Cop gewechselt bin...

Es gibt so Tage in Indien, da hasse ich alles - a l l e s...

Kurzzeitig war das heute so ein Tag, dann hab ich beschlossen es mit Humor zu nehmen.
Ich muss sagen, dass ich heute Früh mit dem falschen Bein aufgestanden bin und eine ziemliche Kratzbürste war - die Wenigsten dürften mich so kennen :P

Naja, hier eine Kurzanleitung wie ein Paket in Indien versendet werden muss.

Man benötigt:

1x Karton, xxl
1x 3m Stoff, weiß
1x Kleber
1x Paketschnur
1x Edding, wasserfest
1x Kugelschreiber
1x Verhandlungstalent
1x Humor
1x Optimismus


Das Postoffice war auf einem großen Gelände einer anderen Organisation und dort angekommen wurden wir vom Guard belehrt, dass wir innerhalb der Mauer nicht parken können. Ich hab dann vom Rücksitz aus das Meckern angefangen, dass ich das ganze Zeug ja nicht quer übers Gelände schleifen kann. (Ok, ich war schon echt mies drauf ^^).
Der Guard hat dann in einem sehr sehr langsamen und lauten Englisch zu mir gesprochen, als würde er mit einer alten Lady sprechen "Y O U   C A N ' T   P A R K   I N S I D E"... Daraufhin meine Antwort "I  U N D E R S T A N D   Y O U..."
Wie gesagt, ich war echt genervt und es sollte noch besser kommen...

Dort angekommen, wurde mir klar, dass es vielleicht nicht so klug war als weiße Frau alleine ein Paket aufzugeben...
Erste Aufgabe: Man suche einen Karton.
Den kann man nicht wie angenommen im Postoffice kaufen und wurde mir dann aber zum Glück vom mittlerweile handzahmen Fahrer organisiert. Zwischen den nächsten Schritten ergibt sich im Schnitt eine mitgestoppte Wartezeit von 20-60min

Als nächstes mussten wir weißen Stoff kaufen und einen Schneider finden, der mir das Paket einnäht.
Die Diebstahlrate scheint hier sonst zu groß zu sein...
Nuuunja... zu Fuß hinter dem Fahrer hergedackelt, Paket im Auto, keine Maße genommen, Stoffgeschäft gefunden.
Der Fahrer und Stoffhändler waren sich dann einig, dass zwei Meter Stoff reichen - ich wollte noch einen weiteren Meter kaufen, weil das rein nach Augenmaß einfach zu wenig war. Ich wurde überstimmt, also nur 2m...
Als nächstes suche man einen Schneider. Wir sind da erst ohne Paket hingegangen, um abzuklären, ob er gruundsätzlich bereit wäre das Paket einzunähen. Das OK bekommen, also gings zurück zum Auto...

Bis dahin hatten wir schon eine Stunde verbraucht - nur so als kurzer Ansatzpunkt...


Beim Auto angekommen habe ich eine Toilette entdeckt und als ich dem Fahrer gesagt hab, dass ich da hingehe, hat er nur gegluckst: "It's public, haha..."
Tja, public toilets haben jetzt nicht den besten Ruf in Indien, deshalb gehe ich da jetzt auch nicht näher drauf ein - gehört ja auch nicht zur Grundgeschichte... Mich hat nur das spöttische Lächeln vom Fahrer auf die Palme gebracht - wie alles an dem Tag :P


Auf gings mit dem Auto zum Schneider, Paket abgeliefert und dann ging das Verhandeln los...
Der Schneider hat mich mit dem riesigen Auto vorfahren sehen, was die Preisverhandlungen etwas verkompliziert hat. Er wollte 400 Rupees - für 150 bekomm ich einen Punjabi geschneidert und das ist schon ein Touristenpreis... Das haben alle vier im Geschäft eingesehen, wollten aber nicht wirklich abweichen von ihrem Abzock-Touri-Preis
Bei einem Verhandlungserfolg von 250 Rupees hab ich dann aufgegeben...

Die Show war ihr Geld aber schon wert.
Vier Schneider haben ihre Arbeit unterbrochen und haben mich und mein Paket begutachtet und gefachsimpelt

Stoff: zu kurz - Hate to say I told you so...
Schneider ist dann nochmal los und hat Stoff besorgt und hat die Stoffteile zusammengenäht.
Daraus hat er eine Art Sack genäht und mein Fahrer und zwei weitere Helfer haben dann mit Schneider das Paket verpackt.

Ergebnis: zu viel Stoff steht über.
Lösung: Zuschneiden.
Methode: Abmessen, dann Zuschneiden.
Ergebnis: Neuer Stoffsack ist zu klein
Lösung: Alle Nähte auftrennen, alte und neue Stoffbahn wieder zusammennähen
Ergebnis: gleich großer Stoffsack wie am Anfang
Lösung: Überstehende Ecken mit der Hand vernähen

Dieses Spektakel hat mich eine Stunde gekostet...
Das war allerdings der Punkt, an dem ich einfach nur noch schmunzelnd da saß, weil ich mir dachte - das glaubt dir keiner...
Auch als der Nachbar nebenan angefangen hat sein Auto abzuschleifen und neu zu lackieren und die Dämpfe und der feine Staub schön in die Garage des Schneiders reingezogen sind und ich dann mit meinem Tuch vorm Gesicht dasaß und ganz dämmrig wurde... Tja, that's India... :P

Bis dahin hatte mich das ganze Manöver bereits zwei Stunden gekostet - aber ich hatte nun ein Paket in weißen Leinen vernäht - herzlichen Glückwunsch :-)

Nächster Schritt:
Utensilien kaufen.
In einem weiteren Laden (weit ab vom Post office) hab ich mir dann Kleber, Tesa und Textmarker gekauft. Weil man die Adresse dann mit wasserfesten Klebestift auf das weißvernähte Paket schreiben muss und sich bereit halten sollte, für den Fall, dass im Post office noch irgendetwas geklebt werden muss.

Uuuund nun haben wir es fast geschafft...
Zurück gefahren zum Post office und erstmal schön in die Schlange gestellt. Der Fahrer hat mich dann aber dazu ermutigt mich einfach vorzudrängeln und mir das Formular für den Zoll einfach schonmal zu holen. Formulare in doppelter Ausführung ausgefüllt und wieder in die Schlange gestellt.

Nach einer gewissen Wartezeit bin ich dann an die Reihe gekommen und bis dahin hab ich das Paket schon so lieb gewonnen, dass es beinah seltsam war es relativ unproblematisch aufzugeben - uuund weg wars...
Es hat 1000 Rupees mehr gekostet als im Internet kalkuliert, aber nach 3 Stunden macht man dann wegen 15 Euro keinen Rückzieher mehr...

Jetzt benötigen wir noch Optimismus und etwas Glück, dass es ankommt.
Humor hab ich heute schon bewiesen - der kam nach der ersten Stunde, hatte etwas Probleme im zweiten Akt, um dann aber ganz groß in der dritten Stunde das ganze Manöver zu genießen.

Auf dem Rückweg hat mich der Fahrer dann im Auto gefragt, wie lange es in Deutschland dauert ein Paket zu verschicken. Meine Antwort: max. 20 min.
Und ich hab ihm meinen Lieblingssatz in Indien zur Beschwichtigung gesagt: "Das muss man alles in den Kontext setzen"...

... das war also mein Paketversand in Indien, oder um es mit einem Video zu sagen:


Eine indische Anekdote...

Bei dem Metallica-Wochenende hab ich mir eine Armbanduhr im offiziellen Casio Store gekauft, also im Prinzip ein Laden mit geschultem Personal - sollte man meinen. Als ich den Verkäufer gefragt habe, ob er mir zeigen kann, wie man die Uhr einstellen kann, hat er erst ewig rumgedrückt und nicht gewusst, wie es geht. Als ich schon aufgeben und es selbst probieren wollte, hat er dann ganz glücklich die Stoppuhr angeschaltet und gemeint, dass ich nur warten muss, bis es die richtige "Uhrzeit" anzeigt und dann soll ich auf Stop drücken - großartig! :D
Das ist bis jetzt mein Lieblingsbeispiel für die einfachen indischen Lösungen für Probleme aller Art. Das muss man doch einfach lieben an den Indern - hauptsache mal irgendeine Lösung anbieten, alles andere wäre unhöflich.

Mit diesem Schmunzler geh ich jetzt ins Bett.

Schwarz, schwarz, schwarz sind alle ihre Kleider...



Am Wochenende war es so weit – Metallica in Bangalore!
Ich bin jetzt kein großer Metallica-Fan, fand die Vorstellung von „Klein Lieschen zwischen lauter indischen Metalheads“ aber lustig, deshalb hab ich mir vor ein paar Wochen auch ein Ticket gesichert. Um dann letzte Woche im Vorfeld belohnt zu werden – Biffy Clyro, eine meiner Lieblingsbands, wurde Vorband – doppelt beschwingt auf nach Bangalore!

Am Samstag haben wir noch bis abends hektisch an unserem Group paper gearbeitet und sind um 22:45 mit dem „Sleeper“-Nachtbus aufgebrochen. Der Bus besteht aus mehreren Einzel- und Doppelbetten und ca. 30 Personen können darin schlafen – mehr oder weniger jedenfalls...
Die Strecke zwischen Pondicherry und Bangalore ist mit zahlreichen Schlaglöchern ausgestattet. Daniel war beim letzten Trip nach Bangalore nicht dabei und nach den ersten Millisekunden, die wir freischwebend in der Luft verbracht haben, wurde ihm dann klar, dass ich nicht übertrieben habe ;-)

"Sleeper"-bus

Um sieben Uhr sind wir dann völlig übermüdet in Bangalore angekommen und dann ging der Kampf mit dem Tuktuk-Fahrer los... Die Adresse auf nem Zettel und zum nächsten Tuktuk (bzw. Auto in Bangalore). Da ich im Lonely Planet gelesen habe, dass die Fahrer mit Meter fahren müssen, hab ich das Verhandeln um den Festpreis hartnäckig ignoriert und wir haben einen Fahrer gefunden, der bereit war uns fünf in ein Auto zu quetschen. Heißt: drei auf der Rückbank, ich auf und über die Rückbank verteilt und einer kuschelt vorne mit dem Fahrer. Nachdem der Meter ca. 10 km gezeigt hat, hab ich beschlossen von der Rückbank aus das Schimpfen anzufangen, um dem Fahrer verständlich zu machen, dass wir keine hundert Runden um den Block zahlen werden... Nach 20 km sind wir dann tatsächlich bei unserem Hotel angekommen. Anstatt der angepeilten 50 Rs wollte der Fahrer dann 400... Naja, ums kurz zu machen: welcome to Bangalore...

Um ca. 15h haben wir uns auf den Weg zum Palace Ground gemacht und wurden schon auf dem Weg von Metallicafans aus den Tuktuks gegrüßt.
Es waren ca. 10.000 der erwarteten 20.000 Fans schon da – leider vor uns...
Wir wurden Love-Parade-mäßig durch einen einzigen nadelöhrähnlichen Zugang geschleust und wurden dann mehrfach durchsucht – keine Flaschen, Handtaschen, Kameras, Zigaretten, Feuerzeuge etc. etc. - Safety first, nachdem das Konzert in Delhi wegen mangelnder Sicherheitsmaßnahmen von der Band in letzter Minute abgesagt wurde...

Gegen 19h kamen Biffy Clyro auf die Bühne und auch wenn keiner der indischen Metalheads darauf angesprungen ist, hab ichs genossen – trotz beginnenden Regens...
War aber nicht schlimm, die Klamotten sind schnell wieder getrocknet und ich hatte die perfekte Headbang-Frisur: Lang, dunkel, nass.
Abgesehen von den Haaren war ich allerdings nicht passend gekleidet – mit hellen Jeans und grauem Tshirt war ich definitiv zu farbenfroh unterwegs – der Rest war Schwarz in Schwarz mit den unterschiedlichsten Hardcore-Metalband-Shirts und darunter ich mit gelben Sternchen auf dem Tshirt – Rock'n'Roll :P
Nach ner Stunde Wartezeit kamen dann auch endlich Metallica auf die Bühne...
Metallica ist mir immer zu „hart“, um sie privat zu hören – live waren sie aber der Wahnsinn! Es war so lustig mit 20.000 Indern zu springen, den Kopf zu wippen (headbangen kann man das bei mir nicht nennen) und zu singen (zumindest fragmentartig). Als dann 20.000 Leute „Nothing else matters“ gesungen haben, hatte ich eine Gänsehaut...
Das ganze Konzert zu beschreiben ist schwierig, wir hatten einfach Spaß!
Leider war Hedda richtig krank und die letzte halbe Stunde haben wir alle vergessen uns mal nach ihr zu erkundigen und deshalb mussten wir bei der zweiten Zugabe schauenn, dass wir sie nach Hause schaffen.

Marius und Daniel
Obwohl wir nichts getrunken haben, hatten wir am nächsten Morgen einen Hangover – jeder hatte Kopfschmerzen, war müde und antriebslos oder krank...
Deshalb haben wir den Tag dann einfach verbummelt und waren nur etwas in der Innenstadt  unterwegs.
Daniel und ich kommen ja wieder und das schon am 6.11.!
Also kommen wir am 5.11. wieder in das schmerzhafte Vergnügen mit dem Sleeper-/ oder besser Bumperbus zu fahren.



Wir haben heute unser Group paper eingereicht und bekommen Morgen die Themen für die abschließende Hausarbeit – die letzte Woche hat begonnen und ist praktisch schon wieder vorbei!



Happy Diwali - WAAAS?


Diwali ist das Lichterfest und vom Stellenwert in Indien vergleichbar mit Weihnachten und Silvester bei uns. Gefeiert wird in ganz Indien, im Norden bis zu fünf Tage, im Süden eher nur an einem Tag. Diwali wird wie Silvester gefeiert - mit Böllern, Raketen und Wunderkerzen.
Im Norden wird eher abends geböllert, im Süden beginnt man damit bereits im Morgengrauen - juhu...
Da kam uns und unserem Schlaf der Monsun gerade recht - Diwali fiel buchstäblich ins Wasser.
Ab Mittag haben sich die meisten unserer Nachbarn allerdings nicht mehr abschrecken lassen und deshalb war Mittagsschlaf unmöglich. Unser Hauseingang bildet einen perfekten Trichter und wir haben uns wie in einem Kriegsgebiet gefühlt.
Am Tag vorher hat meine Yogalehrerin noch gemeint, dass wir in Deutschland ja keine lauten Böller haben. Ich hab das verneint und hab mich dann eines besseren belehren lassen müssen...
Ich weiß nicht, wer in der Schule die Knallgasexplosion durchgenommen hat? Durch eine chemische Reaktion gibt es einen großen Knall und man muss den Mund öffnen, um das Trommelfell zu entlasten.
Die gleiche Schlagkraft haben die indischen Böller - keine Übertreibung! Den ersten Böller, der ganz nah in meiner Nähe hochgegangen ist, hätte man mit ner Handkranate verwechseln können und meine Ohren haben richtig geschmerzt. Tja... und so ging das dann den ganzen Tag - seitdem bin ich auch etwas taub

Abends als die Straßen wieder trocken waren, haben meine Nachbarinnen und ich uns in unsere Saris geworfen und sind Sarajas Einladung (unserer Cleaning Lady) gefolgt und haben Diwali mit ihrer Familie verbracht.
Ich muss sagen, ich war stolz auf meine Sari-Wickelkünste, weil es relativ gut aussah. Bei unseren Gastgebern angekommen, wurde ich dann mit einem "no, no, no, no, no wrong wrong" begrüßt - ooooaaah...
Dann wurde ich nochmal ausgepackt und aufwendigst eingewickelt. Daraus wurde dann fast eine Religion, weil Saraja ganz entzückt von meinem Sari war - "super, super, beautiful!" - deshalb musste er dann auch perfekt sitzen. So bekomm ich den nie wieder hin, aber ich werde weiter üben! ;-)
Apropos Sari, dieses mal war es total angenehm den zu tragen, weil es kühler war als bei dem indischen Tag und es fast schon ein Tick zu kühl war. Sollte jemand in nächster Zeit heiraten und ich werde eingeladen, überlege ich mir im Sari aufzukreuzen - nur als kleine Vorwarnung ;-)

Wir haben erst Sarajas Haus besichtigt und haben dann in einer Art Gemeinschaftsraum Chai getrunken und danach Idlys mit Dal gegessen. Komisch war nur, dass wir vier gegessen haben und die anderen uns zugeschaut haben, weil sie erst gegen 21h essen.
Danach gings raus und es wurde geböllert und Wunderkerzen angezündet. Hier ein paar Bilder:


Nachbarsjunge

Torunn [Tö'rön = beziehungsinterner Spitzname: Elefant] und ich 
Die schreckhafte Kjersti und Evelyn - meine Nachbarinnen


Saraja und Enkelsohn

Sarajas Tochter und Enkelsohn
Und wie schon ein paar Mal der Fall, hatte ich auch hier wieder ein Indisches Baby auf dem Arm. Ich hab dann aber beschlossen, dass das ein kurzes Vergnügen wird - so ganz ohne Windel... ;-)


Sarajas Nachbarin
und die Schwiegertochter
1,5 Stunden nachdem wir gekommen sind, hat Saraja dann irgendwann gemeint "now you take bag" und der Besuch war vorbei :D
Andere, die bei indischen Familien eingeladen waren, hatten ähnlich kurze Besuchszeiten und wir haben uns alle gefragt, ob wir irgendwas falsch gemacht haben. Ich glaube aber, dass man als indischer Gast auch nicht so viel Sitzfleisch braucht, wie manchmal bei uns - hat Vor- und Nachteile.
So wars aber gerade richtig, weil ich dann noch auf unsere Kulturstudierinterne Diwali Rooftop Party gegangen bin und auf dem Weg noch ein paar tolle Bilder machen konnte. In einer dieser Straßen sind wir 6 Stunden vorher noch mit beginnenden Oberschenkelmuskelkater kniehoch durchs Wasser gewatet ;-)

HAPPY DIWALI!